Welcher Rollenspiel Spieler kennt es nicht, nach einem anstrengenden ingame Tag in einem Dungeon erstmal in den Shop in der nächsten Stadt und Loot verkaufen und neue Ausrüstung und Heiltränke einkaufen. Normalerweise geht es dann wieder direkt in den nächsten Dungeon oder das nächste Abenteuer. Wer sich aber mal dafür interessiert wie der Alltag des Shopbesitzers aussieht und wenn man sich dafür interessiert wie sehr der Shopbesitzer einem das Geld aus dem "Inventar" gezogen hat, der findet im Spiel Recettear: An Item Shop's Tale eine gute Möglichkeit mal die Perspektive zu wechseln.

Wie der Titel verrät geht es um einen Item Shop, genauer gesagt das Recettear, welches von dem Mädchen Recette und der Fee Tear geführt wird. Die Story ist eher simpel gestrickt. Der Vater von Recette ist auf Abenteuerreise gegangen und hat sich beim Kauf von Ausrüstung verschuldet und ist dann verschollen. Also besucht die Fee Tear das Mädchen Recette um ihr die Situation zu erklären, die Schulden ihres Vaters ein zu treiben und ihr die Optionen dar zu legen. Recette wird entweder das Haus gepfändet oder sie baut das Haus in einen Item Shop um und zahlt die Schulden in wöchentlichen Raten ab. Kaum hat Tear ihr die Optionen erklärt hat Recette schon ein Namensschild parat, Recettear. Von da an muss man sich als frischer, unerfahrener Shop Besitzer erwehren, Rüstung und Waffen beim Schmied und Essen und Klamotten auf dem Markt kaufen und im eigenen Shop zu möglichst horrenden aber nicht beleidigend hohen Preisen verkaufen. Sehr schnell steht einem auch die Option zur Verfügung zusammen mit einem engagierten Helden bzw. Abenteurer die nahegelegenen Dungeons nach Loot ab zu grasen und diese dann zu verkaufen.

Recettearshop

Das reine Gameplay macht durchaus sehr viel Spaß und erinnert, die Dungeons ausgenommen, an einen netten Wirtschafts/Shop Simulator. Die Dungeons selbst sind simpel und werden jedes mal per Zufall und gitterartig neu erstellt. Um den Dungeon zu betreten heuert man einen Abenteuerer an und leiht ihm nötige Ausrüstung, man steuert diesen Abenteurer nur im Dungeon.  Allerdings merkt man schon, dass es hauptsächlich um den Item Shop geht, da das Kampfsystem sehr rudimentär geraten ist. Angreifen kann man nur in die 4 Himmelsrichtungen (diagonal ist nicht möglich) und man hat nur den normalen Angriff mit der ausgerüsteten Waffe und einen auswechselbaren Sekundärangriff z. B. Rundumschlag, Druckwelle. Durch das beschränkte 4-Richtungen-Bewegungssystem ist man gut beraten die halbkreisartige Reichweite der Standartattacke zu nutzen. Natürlich gibt es nach regelmäßigen Abständen (5 Ebenen) einen Bosskampf, welche auch sehr gut für ein "Item Shop Spiel" geraten sind, sie haben immer eine Mechanik die den Boss schwächt um ihn leichter besiegen zu können, die man aber erstmal herausfinden muss.

Wieder zurück im eigenen Shop mit neuen Items aus dem Dungeon oder vom Händler, hat man eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung auf denen man Items zum Verkauf anbieten kann. Diese sollten mit bedacht belegt werden, denn es wird nur das gekauft was ausgelegt wird und es gibt begrenzte Schaufensterplätze, die man noch bedachter belegen sollte, denn daran orientiert sich die Kundschaft. Aber mit ansteigendem Kaufmannslevel kann man auch Kundenwünschen entsprechen, wobei das gesuchte Item nicht ausgelegt sein muss und noch später kann man dann auch Bestellungen annehmen oder Items von Kunden abkaufen. Auch die Kunden sind nicht immer die selben, an Kinder oder Ältere kann man keine hohen Preise erzielen, Männer kaufen allerdings immer zu etwas höheren Preisen ein und Abenteurern mit denen man ja selbst in die Dungeons geht sollte man Items nicht zu teuer anbieten. Kauft ein Held ein gutes Item von einem muss man es ihm nicht mehr gratis ausleihen und man hat so einen stärkeren Gefährten. Außerdem gibt es ein zufallsbasiertes Wirtschaftssystem, wonach sich Preise von bestimmten Items erhöhen, erniedrigen oder normalisieren.

Recetteardungeon

Wer bis hierhin gelesen hat, hat hoffentlich verstanden wie vielseitig das Spiel mit der Zeit wird und wie grundsätzlich gut das Gameplay ist. Allerdings gibt es einen massiven Negativpunkt, der leider auch ein nachvollziehbarer Grund für manche sein wird dieses im Grunde sehr nette und amüsante Spiel doch nicht zu spielen. Bereits am Anfang des Spieles wird von einer wöchentlich zu entrichtenden Schuld gesprochen und genau das ist der Knackpunkt. Alle 7 ingame Tage muss einen bestimmten Betrag an pix (Ingame Währung) an Tear entrichten. Das ist grundsätzlich kein Problem, das Problem ist, dass sich dieser Betrag mit jeder einzelnen Woche erhöht. In der ersten Woche sind es noch nur 10.000 pix, dann 40.000 pix, die Woche darauf 80.000 pix und danach (diese Grenze konnte ich noch nicht überschreiten) 200.000 pix. Wer erstmal ein paar Stunden Recettear: An Item Shop's Tale gespielt hat wird sofort merken wie enorm schwer dieser Soll ist. Allgemein schafft man mit Müh und Not die Wochenschuld auf zu bringen doch wenn sich dieser Betrag dann nochmal dermaßen erhöht kommt man ins Schwitzen. Der springende Punkt ist aber, dass wenn man die Wochenschuld nicht vollkommen aufbringen kann (1 pix zu wenig reicht nicht) der Game Over Screen kommt und man entweder von Vorne anfangen darf oder den letzten Spielstand lädt.

!Wichtig! Da die Steuerung erst ingame erklärt wird, können Unwissende sehr viel Zeit im Menü verbringen. Y,X,C und V sind die Standard Tastenbelegung (ingame als Taste 1,2,3 und 4 bezeichnet). Wobei "Y" die Primärtaste ist und bestätigt, kann man mit "X" der Sekundärtaste Dinge abbrechen oder zurück gehen. Außerdem ist das Spiel nur mit englischem Text und vereinzelter japanischer Sprachausgabe.

Zusammenfassend kann man sagen, Recettear: An Item Shop's Tale kann durchaus sehr viel Spaß machen, der Schwierigkeitsgrad durch die wöchentlich zu entrichtenden Schulden wird aber nach ein paar Wochen unhaltbar groß. Recettear: An Item Shop's Tale ist für 15 € auf Steam zu haben. Nur etwas für Item-Shop-Interessierte und jene die die Geduld haben den Game Over Screen öfters zu erblicken!



Über den Autor

Michael Jachecki