Hans-Peter Friedrich sorgte mit seinem Vorstoß im Spiegel für reichlich Aufmerksamkeit . Der amtierende Innenminister sieht die Demokratie durch die anonyme Netzkultur gefährdet: „In der demokratischen Auseinandersetzung streiten wir mit offenem Visier auf Basis unserer verfassungsmäßigen Spielregeln. Warum sollte das im Internet anders sein", so Friedrich im Spiegel.

Sein Argument zielt dabei vor allem auf die von Anders Breivik viel zitierte rechtspopulistische Blogger-Szene ab. Friedrich nimmt die Aktivitäten von verschwörungstheoretisch Verirrten wie „Fjordman“ in seinem Spiegel-Interview zum Anlass, um eine generelle Verschärfung der Netzkontrolle zu fordern: „Normalerweise stehen Menschen mit ihrem Namen für etwas ein. Warum nicht auch ganz selbstverständlich im Internet?" – so seine Logik. Der deutsche Politiker sieht im Internet eine Welt, in die "immer mehr Menschen eintauchen, die sich von ihrer sozialen Umgebung isolieren. […]. Dort verändern sie sich, meist ohne dass es jemand bemerkt."

Natürlich folgten auch prompt Gegenstimmen, mal von dem zu erwartendem Furore vieler Internetnutzer abgesehen, äußerte sich auch die Internetforscherin Danah Boyd im Spiegel Online zu dieser Idee. Boyd problematisierte zum Beispiel, dass es zahlreiche Gründe für die Verwendung von Pseudonymen gebe, die vollkommen aus dem von Friedrich gezeichneten Bild herausfallen würden: „Die Menschen, die sich am häufigsten im Internet auf Pseudonyme verlassen, sind diejenigen, die von der Gesellschaft am meisten ausgegrenzt werden. Klar-Namen-Regeln machen Menschen nicht stärker, sie sind eine autoritäre Machtausübung gegenüber verletzlichen Menschen“, so Boyd auf Spiegel Online. Vergewaltigungs- und Stalking-Opfer, Schwule und Lesben, politische Aktivisten oder einfach um ihre Privatsphäre besorgte Menschen – sie alle brauchen Pseudonyme nicht, um (so wie es Friedrich darstellt) über das Internet Angst und Terror zu verbreiten, sondern um sich zu schützen.

Allerdings gibt es ja bereits eine Plattform, die die Klarnamenpflicht eingeführt hat, "Google +". Diese Maßnahme zog aber den ein oder anderen Widerstand und Protest nach sich, sowie die ein oder andere peinliche Situation (siehe William Shatner bei Google+).

Eigene Meinung: Ich hoffe dass diese Idee genauso im Nichts verschwindet wie der große Streit um die Killerspiele und am besten noch viel schneller, denn es ist genauso sinnlos wie der Selbige. Zu Boyd muss ich sagen, dass ich kaum glaube dass die genannten Opfer einen Großteil der anonymen Internetnutzer ausmachen, ich und viele andere normale Leute tragen ebenso ihre Pseudonyme. Mal davon abgesehen ist das Internet ohnehin eine internationale Angelegenheit, nicht die der Deutschen.

Bildquelle: berlin-pics  / pixelio.de



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Michael Jachecki