Er erhält seinen Auftrag. Und er erledigt ihn. So kennt man bereits seit dem Jahr 2000, den Killer-Agent 47. Stets mit finsterer Mine und in feinem Anzug mit roter Krawatte, so ist meine Erinnerung an ihn. Und daran hat sich auch nichts geändert. Sein letztes Auftreten war allerdings das Jahr 2006, also höchste Eisenbahn für IO Interactive uns die Möglichkeit zu geben wieder stilvoll auf Jagd zu gehen. Am 20. November 2012, für den PC, die Xbox360 und die Playstation 3, erschienen, frag ich mich nun: Was kann das neue Spiel von Publisher Square Enix?

[caption id="attachment_6726" align="alignright" width="300"]Heimlich und leise kommt der Tod... Heimlich und leise kommt der Tod...[/caption]

Der Spaß am Morden

Direkt zu Anfang zeigt die Box was uns erwartet. Ein tiefroter Hintergrund, der Hitman mit geneigtem Kopf und seine "Silver Ballers" im Anschlag. Da weiß man was kommt.

So gestaltet sich auch das Spiel. In Zeiten von großen Charakteren, Action en masse und großen Shooter-Einlagen, wirkt Hitman: Absolution fast schon entschleunigend. Die Story markiert hier allerdings wirklich keinen Glanzpunkt: Direkt zu Anfang lautet unser Auftrag von der Agency unsere alte Auftragsgeberin wegen Betrug zu eliminieren. Ohne wirkliche Logik fällt plötzlich 47 doch noch sein Gewissen ein und er muss seiner alten Wegbegleiterin ein letztes Versprechen geben... Das ist jetzt eindeutig krude, sinnvoller wird es auch danach leider nicht mehr. Agent 47, von Natur aus kein Charakterdarsteller, wird von Mission zu Mission gehetzt. Irgendwo zwischen einer überladenen Zahl an Gegnern, die IO Interactive allerdings schon fast brilliant schwarzhumorig gestaltet hat, taucht immer wieder Gewissen auf, dann ist 47 wieder der alte Killer.

Fast von Glück, kann man da sprechen, dass eigentlich keine Zeit bleibt daran Etwas zu hinterfragen. Viel zu schnell kommt er: Der Spaß am perfekten Mord.

[caption id="attachment_6725" align="alignright" width="573"]Da hilft nurnoch der schnelle Abzugsfinger... Da hilft nurnoch der schnelle Abzugsfinger...[/caption]

Schöner Morden

Ja, hier fährt Hitman: Absolution wirklich zur Glanzleistung auf.  In 54 Szenerien finden wir fast 100 einsetzbare Waffen und Gegenstände, dabei gibt es über 50 einzigartige Unfall-Szenerien, ebenso viele Verkleidungen.

Rein, Mord und Raus? Nicht mit dem Hitman! Dank eines Punktesystems werden wir immer wieder animiert den Weg zum perfekten Mord zu finden. Wie kann man nur das Ziel ausschalten ohne Aufzufallen? Töten wir die Wache oder umgehen wir sie? Hier lädt Hitman: Absolution wieder und wieder zum Neuspielen ein ohne, dass es langweilig wird. Die Herausforderungen und 5 Schwierigkeitsgerade verlangen geradezu danach es neu zu probieren.

Auch das "Instinktsystem" soll geschickt eingesetzt werden, hierbei spielen die besonderen Fähigkeiten des genmanipulierten Agent 47 eine wichtige Rolle. Die spielerfreundlichen Anfangslevel in Chicago geben hierbei einen einfachen, aber trotzdem spannenden Einstieg in das Spiel. Durch gekonnte Szeneriewechsel wird es auch im Laufe des Spiels nie langweilig. Teilweise habe ich mich sogar dabei erwischt nur nach Stellen von Easter Eggs zu suchen. So ist zwischendurch Werbung gegen Gewalt in Videospielen zu sehen oder einige Querverweise auf Filme werden verteilt.

Trial & Error & Error & Error...

Wer wirklich die perfekte Punktzahl haben will, der sollte ganz klar Geduld mitbringen. Immer wieder neu laden, bis zu 10 Minuten an einem Ort verharren oder einfach nur einen Plan sich machen. Man fühlt sich sogar an alte Point'n'Click-Klassiker erinnert, wenn man versucht den nächsten "Unfall" darzustellen. Dabei ist durchaus auch Kreativität gefragt und nicht nur das übliche, angeleitete, simple Schießen. Das ist realistisch, das ist willkommene Abwechslung, aber sicher nicht Jedermanns Sache. Immer wieder kommt auch eine hektische Flucht mit rein und ein paar Quicktime-Events. Man kann sich auch einfach "Durchballern", was dank der leider sehr dümmlichen KI auch einfach genug ist, aber man merkt schnell, dass IO Interactive sich nicht ansatzweise um diese Zielgruppe gekümmert hat. Entweder will man Hitman sein - oder nicht. Kompromisse gibt es nicht und das ist auch gut so.

[caption id="attachment_6727" align="alignright" width="368"]Düster: Agent 47 Düster: Agent 47[/caption]

Ohnehin geht der Puls nie runter, schließlich muss man sich ständig verstecken um nicht aufzufallen, Langeweile gibt es nicht.

Etwas frustrierend sind allerdings die langen Ladezeiten. Nach stundenlanger Installation wird man trotzdem noch gefoltert mit teils ewigen Ladezeiten... Das ist besonders für den perfekten Killer teilweise frustrierend, wenn man sich allerdings dran gewöhnt hat, gewöhnt man sich daran. Ohnehin kann man sich hier schon einen Plan bereit legen für den nächsten Mord.

Zudem belohnt die "Glacier 2"-Engine dafür mit einer wunderschönen Darstellung von Chinatown bis in die Badlands von South Dakota, auch bei Menschenmassen bleibt die Darstellung flüssig. Dazu gesellt sich ein wunderbar passender Soundtrack, immer passend für jede Location von Reggae bis zu absolut coolem Country.

Apropos Menschenmassen, noch ein großer Bonuspunkt: Im Gegensatz zu früheren Hitman-Spielen ist die komplette Spielwelt absolut lebendig. Überall gehen Menschen ihrem Leben nach, auch die Wachen führen menschliche Gespräche und reagieren entsprechend auf Schusswechsel. Da sind selbst große Plätze schnell geräumt - zum Vorteil reicht das allerdings für den Spieler nicht wirklich...

Allerdings gibt es für solche Fälle ja immer noch die klassische Waffenvielfalt. Die Schusswechsel sind toll inszeniert, besonders die "Quick-Shoot"-Fähigkeit macht einen Heidenspaß, auch wenn man merkt, dass dieses Spiel für den stillen Mörder entwickelt wurde.

Auftragsmodus

Natürlich darf in der heutigen Zeit der Online-Vergleich nicht fehlen. Neben den etablierten Highscorelisten und dem Vergleich auf Facebook, gibt es die neuen "Contracts", also Aufträge.

Hierbei erstellen Spieler eigene Aufträge für andere Spieler. Mit eigenen Methoden und Konditionen kann hier besonders der Hochbegabte unter den Killern zeigen, dass er es wirklich drauf hat. Für den Wiederspielwert und die Prahlsüchtigen ist das natürlich ein großes Plus, auch wenn unter den Aufträgen leider viel Müll ist und auch der Editor etwas umständlich ist.

Fazit

Der Tod kommt leise - und das ist auch gut so. Immer wieder macht dieses Spiel einfach einen riesen Spaß. Das, leider überladene, Ensemble an Gegnern wird immer wieder garniert von skurilen Charakteren, der Humor ist absolut morbide, aber macht gerade dadurch wirklich Spaß. Tatsächlich ist es fast wie in einem eigenem Actionfilm, so gut ist die Inszenierung, und man selbst kann bestimmen was passiert. Und das bei einer mehr als üppigen Spielzeit.

Danke an IO-Interactive für ein Spiel ohne Kompromisse - allein durch das Genre kann es nie mit einem "Assassins Creed" oder "Call of Duty" mithalten was Action angeht, aber für die Fans des lautlosen Töten, ist es fast perfekt, trotz kleinerer Bugs und Ärgerlichkeiten.

Hitman: Absolution ist eine klare Kaufempfehlung für alle die ihre düstere Seite mal so richtig ausleben wollen - Moral und Handlung? Naja. Wiederspielwert? Jaja!

Info: Es erschien neben der regulären Version (46 Euro auf amazon.de) auch eine Special Edition für 53 Euro. Diese bietet eine sehenswerte Making-Of-DVD, ein Art-Book und Extra-Waffen.

 


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Über den Autor

Chris Ebener