Eine irische Krimigroteske als "bester Debüt-Film" auf der Berlinale, als Gewinner des Publikumspreises beim Sarajevo Film Festival und als vierfacher Gewinner beim Dinard British Film Festival? Wie das geht beweißt Regisseur John Michael McDonagh!

[caption id="attachment_5697" align="alignleft" width="212" caption="(c) Sony Pictures Classics"][/caption]

Inhalt des Films

Er nimmt toten Jugendlichen die Drogen ab, lässt Prostituierte anreisen und hat ziemlich unorthodoxe Verhörmethoden. Der irische Polizist Gerry Boyle (genial: Brendan Gleeson) ist nicht wirklich ein Sympathieträger. Tief im Westen Irlands scheint das jedoch keinen wirklich zu stören. Auch der übermotivierte "Frischling" Aidan McBride (Rory Keenan) aus Dublin ist eigentlich nur eine Störung im Frieden von Boyle. Dann die Wendung im ziemlich monotonen Arbeitstag: Beide finden eine Leiche und wie sich herrausstellt, war der Tote früher Mitglied internationaler Drogenschmuggler. Dann taucht auch noch der schwarze FBI-Agent Wendell Everett (Don Cheadle) auf, der bei den Ermittlungen gegen den Rest der Bande (Liam Cunningham, Mark Strong, David Wilmot) und einer geplanten Lieferung helfen soll.

Nachdem McBride verschwindet müssen Boyle und Everett nun gemeinsam arbeiten, wobei Everett nicht nur ein Mal an Boyle und den Iren verzweifelt...

Filmkritik

Was "The Guard" so besonders macht ist, wie Regisseur - und gleichzeitig Drehbuchautor - McDonagh Versatzstücke mehrerer Genres variiert. Ein Plot für einen Krimi, schwarzhumorige Sprüche seitens Boyle ("Ich bin Ire, Rassismus ist Teil meiner Kultur!") und stark pointierte Dialoge zwischen Boyle und Everett. Dabei spielt er auch immer wieder geschickt mit Erwartungen: Während wir die klassische Freundschaft der Hauptcharaktere erwarten, ist das Maximum an Annäherung zwischen beiden nur ein Händedruck. Auch abseits der Hauptfiguren bietet McDonagh einen Haufen kauziger Charaktere und einen Querschnitt durch eine sehr befremdliche Kultur im ländlichen Irland, wobei er allerdings auch kein Klischee auslässt. Obwohl auch die Gangster, als philosophierende Psychopathen, wirklich schräge Typen abgeben, bleibt Gleeson das Highlight. Er spielt zwischen rassistischen Zyniker, naiven Landbewohner  und pflichtbewussten Held so hin und her, dass auch Everett sich fragt, wer dieser Boyle eigentlich ist. Gut, natürlich ist nicht jeder Spruch ein Highlight und auch so mancher Trauermoment wirkt etwas deplatziert, aber spätestens, wenn die Trompeten des Soundtracks der US-Band Calexico erklingen, fühlt man sich in einer Art modernen Westerns mit einem "Helden", der so recht doch eigentlich keiner sein will. Schließlich trägt natürlich auch die wunderschöne, aber ruppige Landschaft Irlands dazu bei, dass jeder einfach das Gefühl bekommt, dass man gerade in Irland war. Für Menschen mit einer Portion schwarzen Humors und einer Vorliebe für Filme abseits der ausgetretenen Pfade ist dieser Film absolut zu empfehlen. Zudem kommen sowohl DVD als auch Blu-Ray mit allen wichtigen Extras (Making of, Deleted Scenes, Outtakes, Trailer, Version mit Audiokommentar), sowie der Kurzfilm "The Second Death". Wer es kann, sollte sich den ganzen Film auch gleich auf Englisch anschauen: Nur dort finden wir bei Gleeson auch noch einen herrlich passenden irischen Akzent, der leider in der deutschen Übersetzung verloren geht.

Technische Daten:

Genre Originaltitel Land / Jahr Bildformat Tonformat / Sprache
Krimikomödie The Guard IRL/GB 2011 16:9 - 2.35:1 Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1)

Verkaufsstart

Der Film ist auf DVD und Blu-Ray zu erhalten und ist bereits am 23.März 2012 erschienen.



Über den Autor

Chris Ebener