Auf diversen Webportalen liest man es im Moment immer und immer wieder! Nutzer des beliebten Kurznachrichtendienstes WhatsApp - bekannt spätestens nach den Aufkauf durch Facebook - sollen sich beim Senden von Weihnachtsgrüßen zurückhalten. Als Grund werden "neue Nutzungsbedingungen" vorgeschoben. Diese jedoch sind vom 7. Juli 2012.

N24, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung und - wie soll es anders sein - auch die Bild berichten derzeit darüber, dass sich Nutzer einen Bann bei WhatsApp einhandeln können, wenn Sie zu häufig den gleichen Text mit Weihnachtsgrüßen an ihre Freunde senden. Alle beziehen sich hier auf einen Artikel von mimikama, einem Verein, der sich selbst Internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch nennt.

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Die WAZ warnt eindringlich vor dem Versenden der immer gleichen Nachricht und zitiert mimikama: "Daher ist auch Vorsicht beim Versenden von Weihnachts- und Silvestergrüßen angebracht, denn unter Umständen kann der mehrfache Versand von ein und derselben Nachricht als Spamversand interpretiert werden."

N24 und auch die WAZ schreiben zudem, dass es bei WhatsApp neue Nutzungsbedingungen gibt. Diese sind jedoch vom 7. Juli 2012. Kaum aktuell. Vielmehr bezieht sich der Autor des Artikels bei mimikama auf die FAQ, die häufig gestellten Fragen. In den englischen FAQ heißt es: "Why am I seeing the message 'You’re temporarily banned from WhatsApp'?" (zu deutsch: "Wieso sehe ich die Nachricht: 'Du wurdest vorübergehend bei WhatsApp gesperrt'?") Diese Frage existiert in den englischen FAQ mindestens seit Oktober, in den deutschen seit November.

reply-popup-1Diese nennen als Gründe jedoch vorwiegend das Versenden von Spam, und Nutzung von anderen Clients - nicht der WhatsApp-Eigenen App. Ein Grund, der hier in den FAQ genannt wird, ist das Senden von massenhaft Nachrichten an Kontakte, die nicht im Telefonbuch gespeichert sind.

Das Versenden von Spam und die Nutzung anderen Clients werden in den Nutzungsbedingungen tatsächlich verboten. Ein Grund für die "plötzliche" Anpassung der FAQ könnte der sein, dass WhatsApp kurz vor dem Launch einer Web-Version steht.

Meine Meinung: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass jemand an Weihnachten oder Silvester durch das Versenden von Weihnachts- oder Neujahrsgrüßen gesperrt wird. Und wenn doch, sollte man sich einmal Gedanken machen, wie viele Kettenbriefe man in den Vergangenheit an Nutzer in Gruppen gesendet hat, die nicht im eigenen Telefonbuch waren.



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Sebastian Siepmann